Zuletzt publiziert

  • Working Paper

    Migration research in Brazil in times of Covid-19 

    Bahl, Eva; Cé Sangalli, Lucas
    Global Migration Studies; 3
    Centre for Global Migration Studies: Göttingen, 2021
    We conducted these interviews with fellow social scientists who do research on mi- gration and asked them about their research experiences in Brazil during the Covid-19 pandemic. They are from Ecuador, Argentina, Brazil, Mozambique, and Senegal and are currently based (at least partially) at different academic institutions in Brazil. The interviews took place between April and June 2021. During this period, Brazil had more than 500,000 registered Covid-19 deaths, one of the highest rates in the world. Since 2019, the government of President Jair Bolsonaro has gone from openly targeting teaching and research in sociology to deliberately denying scientific evidence of the effects of the pandemic in Brazilian society. In terms of academic cooperation, our conversations with these researchers can be seen as a positive outcome of the con- straints imposed by the pandemic. Although the restrictions to our fieldwork were challenging, we were aware that it was a huge privilege to be able to keep working in Germany with our well-funded academic contracts – yet another example of the deepening of global inequalities in the production of knowledge in “Covid-19 times”. We see these interviews as a way of broadening the scope of empirical research on migration during an especially challenging period for scholars working in and on Brazil. It was an opportunity to have an exchange with these colleagues and to learn more about their research.
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  • Working Paper

    Mobilität als soziale und kulturelle Normalität 

    Bernau, Olaf
    Global migration studies; 2
    Centre for Global Migration Studies: Göttingen, 2021
    Seit der als „Flüchtlingskrise“ titulierten Ankunft von drei Millionen Menschen in den Jahren 2014 bis 2016 hat die Europäische Union (EU) ihre Migrationspolitik gegenüber dem afrikanischen Kontinent erheblich verschärft. Neben einer abermaligen Intensi- vierung der seit den 1990er Jahren kontinuierlich weiterentwickelten Abschottungs- maßnahmen wurden auch diverse Programme zur Bekämpfung von Fluchtursachen aufgesetzt, unter anderem der „Nothilfe-Treuhandfond der Europäischen Union für Afrika“ im November 2015. Umso dramatischer ist, dass die Maßnahmen nicht nur zu einer Häufung schwerster Menschenrechtsverletzungen auf den Migrationsrouten ge- führt haben, sondern auch zu einer weiteren Destabilisierung der Herkunfts- und Tran- sitländer afrikanischer Migrant*innen. Zentrales Manko ist, dass Europa bis heute nicht begriffen hat, inwiefern Migration in vielen afrikanischen Ländern eine tief im sozia- len und kulturellen Gefüge verankerte Überlebensstrategie darstellt. Konsequenz ist, dass sowohl in der Politik als auch in breiten Teilen der Öffentlichkeit unverstanden bleibt, weshalb es trotz zunehmender Abschottungsmaßnahmen nicht gelingen wird, die sozialen Logiken aufzubrechen, die dem allgemeinen Migrationsgeschehen in afri- kanischen Ländern zugrunde liegen. Vor diesem Hintergrund vertritt der vorliegende Beitrag am Beispiel Westafrikas die These, dass die EU nicht Abschottung, sondern zirkuläre Mobilität zum Leitmotiv ihrer Migrationspolitik erklären sollte – so wie es ins- besondere in Westafrika bereits seit Jahrhunderten gang und gäbe ist. Konkret nimmt der Beitrag, der primär aus der politischen und journalistischen Arbeit des Autors her- vorgegangen ist, erstens die Geschichte westafrikanischer Mobilität in den Blick, geht zweitens der Frage nach, weshalb sich junge Menschen immer wieder auf den Weg Richtung Europa machen, skizziert drittens die seit 2015 intensivierten oder neu einge- führten migrationspolitischen Maßnahmen, arbeitet viertens die fatalen Auswirkungen europäischer Migrationspolitik heraus und benennt fünftens die zentralen Trugschlüs- se, die der restriktiv ausgerichteten EU-Migrationspolitik zugrunde liegen.
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  • Monografie

    Dispositive der (Im)mobilisierung. Fluchtursachenbekämpfung in genealogischer Perspektive 

    Stielike, Laura
    Global migration studies; 1
    Centre for Global Migration Studies: Göttingen, 2021
    Der Beitrag beleuchtet zwei Grundannahmen der aktuellen Debatte um Fluchtursachenbekämpfung, nämlich die Vorstellung von einer sesshaften Lebensweise als Norm und von der Möglichkeit, Migration durch Entwicklung zu reduzieren. Die eingenommene genealogische Perspektive lenkt den Blick auf die historische Gewordenheit von Wissen, Begriffen, Diskursen und Praktiken und versucht verschüttete Wissensbestände in Erinnerung zu rufen. Im ersten Teil des Beitrags werden die in der Debatte um Fluchtursachenbekämpfung verwendeten Begriffe kritisch hinterfragt, indem zwei zentrale semantische und diskursive Verschiebungen im Begriffsfeld Flucht/Migration nachvollzogen werden. Der zweite Teil fasst die zentralen Argumente der wissenschaftlichen Diskussion um eine sesshafte Lebensweise als Norm („sedentary bias“) zusammen. Der dritte Teil beleuchtet die Vorgeschichte der aktuellen Debatte um Fluchtursachenbekämpfung, indem die Diskussionen über das Verhältnis zwischen Migration und Entwicklung der letzten 60 Jahre zurückverfolgt und dabei vier konkurrierende Kausalitätsvorstellungen (Migration führt zu Entwicklung, Migration verhindert Entwicklung, Entwicklung verhindert Migration, Entwicklung führt zu Migration) herausgearbeitet werden. Im letzten Teil werden schließlich das seit dem Sommer der Migration 2015 deutlich geschwächte Mobilisierungsdispositiv „Migration & Entwicklung“, das auf die ökonomische Nutzbarmachung von Migration zielt, mit dem seitdem erstarkenden Immobilisierungsdispositiv „Containment Development“ (Landau 2019), das die Abkopplung und Sedentarisierung großer Teile der Weltbevölkerung anstrebt, im Hinblick auf Diskurse, Subjektivierungsweisen und institutionelle Praktiken verglichen.
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